Am Cern bei Genf wägen sich die Forscher vor einem epochalen Durchbruch: in zwei Beschleunigern wurden möglicherweise Higgs-Bosonen detektiert. Diese Elementarteilchen verleihen, so besagt die Theorie, der Materie ihre Masse. Bisher wurden sie ...
...aber noch nicht empirisch nachgewiesen. Sollte dies endgültig gelingen, wäre das letzte Glied im Standardmodell der Teilchenphysik geschlossen und dem Cern wäre ein Nobelpreis fast sicher. Wohlgemerkt, es geht hier vorab darum, eine Theorie zu bestätigen. Sollte sich herausstellen, dass das Higgs-Boson nicht existiert, müsste zwar das Standardmodell über den Haufen geworfen werden. Die Welt bliebe aber bestehen, so wie sie ist. Und wir alle – auch die theoretischen Physiker unter uns – müssten weiterhin unsere träge Masse durch die Landschaft schleppen.
Anders in der Wirtschaftswelt: Hier sind die theoretischen Modelle intakt, und die Realität, sprich der Markt, macht trotzdem, was er will. So trugen eine Reihe unberechenbarer Faktoren – wie etwa ihre Kompetenzen überschreitende Ratingagenturen oder verbohrte Tea-Party-Anhänger, die den verachteten Staat unter Inkaufnahme der Totalpleite in die Knie zwingen wollen – dazu bei, dass Anleger massiv in den Schweizer Franken flüchten. Mit unangenehmen Folgen für die international tätigen Schweizer Unternehmen (Seite 4). Um das System wieder in Richtung ökonomi-sche Balance zu bringen – der faire, also kaufkraftgerechte Wert des Euro liegt bei etwa 1,35 Franken – müssten idealerweise alle relevanten Gruppen in der Schweiz an einem Strang ziehen. Politik, Nationalbank und Wirtschaft müssten gemeinsam Ziele definieren und geeignete Massnahmen durchsetzen. Jedenfalls bis zum Redaktionsschluss blieb dies ein frommer Wunsch.
Andererseits finden Sie in dieser Ausgabe Beispiele dafür, wie zielgerichtete Partnerschaften zum Erfolg führen: So übten das Institut für Chemische Technologie in Prag und das Institut für Biotechnologie der ZHAW Wädenswil den Schulterschluss über die Grenzen (Seite 31). Unterstützt von Schweizer Unternehmen entstand so eine lebendige Ausbildungskooperation. Am Swiss TPH Institut in Basel suchen Forscher im Auftrag von Stiftungen und der öffentlichen Hand und in Kooperation mit Novartis u. a. nach Malaria-Wirkstoffen. Die Erfolge sind ermutigend (Seite 34).
Produktive Partnerschaften pflegt auch die Chemie plus, wovon Sie sich demnächst auch «vor Ort» überzeugen können: Gemeinsam mit unseren Partnern, den Berufsverbänden SCV und FLB, laden wir Sie zum ersten
Chemie plus Feierabend-Event am 6. September bei der Pangas AG in Muttenz ein (Seite 83). Dazu passend eine weitere Erfolgsmeldung: SwissPlastics, wie Chemie plus eine Zeitschrift der AZ Fachverlage AG, bleibt das einzige offizielle Organ des Kunststoff Verband Schweiz (KVS). Dies hat der KVS kürzlich entschieden.
Wir fühlen uns wohl in diesen Partner-schaften, denn sie helfen allen Beteiligten, kommende Herausforderungen konstruktiv und kreativ zu bewältigen.
Ralf Mayer
Chefredaktor Chemie plus / Chemische Rundschau



