Nach einem krisenbedingten Unterbruch ist die Agrochemie auf den Wachstumspfad zurückgekehrt (siehe Artikel Seite 4). Und dieser verläuft ebenso steil wie nachhaltig. Der Weltmarkt für Pflanzenschutz legte von 2000 bis 2008 um über 50 Prozent auf knapp 42 Milliarden Dollar zu, und neueste Zahlen, wie etwa die Quartalsergebnisse des Weltmarktführers Syngenta, signalisieren, dass die aktuelle Entwicklung wieder an diesen Langfristtrend anknüpft. Auch die Umsatzkurven für Düngemittel und Saatgut zeigen deutlich nach oben. Langfristig befeuert wird die Nachfrage nach Agrarprodukten durch «Megatrends» wie das rasante Wachstum der Weltbevölkerung. Aktuell treibt vor allem der steigende Wohlstand in den Schwellenländern und die damit verknüpfte Umstellung der Ernährung das Wachstum an – eine höhere Fleischproduktion katapultiert auch den Getreidebedarf nach oben. Gleichzeitig sind die Reserven landwirtschaftlich nutzbarer Flächen begrenzt und natürliche Ressourcen, vor allem Wasser, knapp.
Logischer Rückschluss: Die Produktivität der Landwirtschaft muss erhöht werden. Und bei aller – nicht nur aus emotionalen, sondern auch aus ökologischen Gründen – durchaus berechtigten Sympathie für den biologischen Landbau, scheint klar: Ohne mehr und bessere Agrochemie ist diese Produktivitätssteigerung nicht machbar. Es sind also schlüssige Argumente, welche die Branchenvertreter auf das politische Parkett bringen. Um ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, muss die Branche aber auch enorme Anstrengungen auf dem F & E-Sektor unternehmen. Namentlich bei der «grünen» Gentechnologie stehen die wirklichen Durchbrüche noch aus. Die Herausforderung besteht darin, Saatgut für ertragsoptimierte und umweltresistente Anbauten zu entwickeln.
Fast ruckartig bewegt sich derzeit die internationale Pharmabranche, wobei die «Grossen» den Takt angeben. Gerade kündigte der japanische Pharmakonzern Takeda die Übernahme der in der Schweiz basierten Nycomed für rund 12 Milliarden Franken an (Seite 10). Derweil tritt der grösste Generika-Hersteller der Welt, die israelische Teva, bei Cephalon als «weisser Ritter» auf. Mit ihrer Offerte in Höhe von 6,8 Milliarden Dollar für die US-Biotechnologiegruppe, zu der die schweizerische Mepha gehört, sticht Teva das «feindliche» Angebot von Valeant klar aus (Seite 11). Eine Reflexionsfläche für die Stimmung in der Wirtschaft bilden traditionell die Fachmessen. In dieser Ausgabe berichten wir von drei derartigen Events. Die Schüttgut Schweiz in Basel (Seite 35) und die Interpack in Düsseldorf (Seite 38) sendeten durchwegs positive Signale aus. Gespannt sein darf man nun auf die bevorstehende Labotec Suisse in Genf (Seite 16).
Ralf Mayer,
Chefredaktor Chemieplus
ralf.mayer@azmedien.ch




