Der weltgrösste Chemikalienhändler Brenntag hat im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis gesteigert, bleibt aber für den weiteren Jahresverlauf vorsichtig. Die schwierige Situation in einigen Ländern werde auch in den nächsten Monaten anhalten, erklärte der Konzern. Eventuell müsse das Geschäft wegen eines schwächeren Wirtschaftsumfelds "defensiver" aufgestellt werden, schlug Brenntag-Chef Steven Holland (Bild) moderate Töne an.
Vor dem Hintergrund der angespannten weltweiten Wirtschaftslage stellte Brenntag für das Gesamtjahr nun ein operatives EBITDA (Betriebsgewinn) von 705 bis 735 Millionen Euro in Aussicht, nach 661 Millionen Euro im Vorjahr. Analysten hatten aber deutlich mehr erwartet. Die Aktie verlor gegen Mittag knapp 3 Prozent und notierte bei 89,98 Euro.
In den Monaten April bis Juni legten Umsatz und Ergebnis vor allem dank im Vorjahr getätigter Zukäufe und Sparmaßnahmen erneut zu. Die Erlöse kletterten um 14,6 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (EBITDA) verbesserte sich um 10,4 Prozent auf 184 Millionen Euro. Nach Steuern und Anteilen erzielte der Konzern mit 81 Millionen Euro nahezu ein Viertel mehr als im Vorjahr. Mit den Zahlen erfüllte der Konzern die Analystenerwartungen.
In Europa zeigte sich das Geschäft von Brenntag trotz Schuldenkrise noch stabil. Hier machten sich erste positive Auswirkungen von Kostensenkungsmassnahmen bemerkbar. In der Region erzielt Brenntag noch immer fast 50 Prozent der Konzernerlöse. Mit einem Sparprogramm haben die Mühlheimer bereits auf die Wachstumsschwäche reagiert. Um die Kosten zu drücken, hatte Brenntag im Mai angekündigt, in Europa 225 bis 250 Stellen zu streichen.
Bedeutend besser liefen die Geschäfte in Nord- und Lateinamerika. Dort wuchsen die Erlöse um etwa ein Fünftel im zweiten Quartal. In der umsatzseitig kleinsten Region Asien/Pazifik konnte Brenntag die Erlöse im Quartal auch dank von Zukäufen zwar steigern. Das Geschäft litt aber noch immer unter den Auswirkungen der Flutkatastrophe in Thailand im Vorjahr. Das Wachstum in der Region Asien/Pazifik habe sich verlangsamt, erklärte Brenntag.
Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren durch Übernahmen stark gewachsen. Seit den 90er Jahren hat der Chemikalienhändler mehr als 100 zumeist kleinere Unternehmen gekauft. Der Weltmarktführer in der Chemiedistribution sieht sich als Bindeglied zwischen Chemieproduzenten und weiterverarbeitender Industrie. Ihm kommt zugute, dass viele klassische Chemiekonzerne mittlerweile ihre Vertriebsaktivitäten ausgelagert haben und immer noch auslagern.
Das Unternehmen schaue sich weiter nach wertsteigernden Akqusitionszielen um und hoffe im zweiten Halbjahr auf einige Erfolge, sagte Holland. (Heide Ob
erhauser-Aslan, Dow Jones)






